+++ „Wir kommen aus der Hölle und jetzt sind wir im Himmel“ – Drei Einsätze in drei Tagen+++

+++ „Wir kommen aus der Hölle und jetzt sind wir im Himmel“ – Drei Einsätze in drei Tagen+++

Drei Einsätze in drei Tagen und eine harte Belastungsprobe für unser Team. 513 Gerettete befinden sich gerade an Bord der Aquarius, wo sie mit dem Nötigsten versorgt werden. Die italienische Küstenwache verzeichnete alleine am Mittwoch 970 gerettete Menschen im Mittelmeer

Einer der geflohenen aus Dacca, Bangladesch beschreibt seinen Fluchtweg. Seine Situation habe sich in Libyen nur verschlimmert: Ich kam aus Bangladesch aufgrund von Armut und Gewalt, die Situation ist dort sehr schlimm. Aber Libyen ist definitiv schlimmer. In Libyen kann man nicht auf den Markt gehen, ohne Angst zu haben, erschossen zu werden“. Die Situation in Libyen wird von den gerade geretteten als dramatisch und menschenverachtend dargestellt. Ein junger Kameruner erzählt dem Team: „Die Libyer verkaufen Menschen“. Bei seiner neuen Arbeitsstelle habe er es erst nicht realisiert, aber als er seinen Lohn einforderte wurde gedroht ihn umzubringen. Er war quasi Eigentum. „Der einzige Ausweg ist die Flucht“, beteuert der junge Mann.

Am Freitagmorgen stieß die Aquarius gleichzeitig auf drei Boote in Seenot. Die zweieinhalbstündige Rettung von 323 Menschen wurde von einem Schiff, das als libysche Küstenwache gekennzeichnet war, aus der Nähe und friedlich beobachtet.

Eines der Schlauchboote verlor bereits Luft, deswegen musste schnell gehandelt werden. „Das Boot war überfüllt und wir mussten so schnell wie möglich die Frauen und Kinder evakuieren, dann den Rest der Passagiere. Alle sind jetzt in Sicherheit, das ist so eine Erleichterung“, beschrieb Max Avis, stellvertretender Rettungskoordinator die Situation.

Die Geretteten waren überwiegend syrische Familien mit Kindern und auch Babys. Sogar ein achtmonatiges Zwillingspaar. „Wir kommen aus der Hölle und jetzt sind wir im Himmel. Auf dem Schiff war es grausam, aber wir hatten keine Wahl“, sagten einige der Syrer – schon kurz nach der Rettung wieder ein Lächeln im Gesicht. Auch sie beschrieben Libyen als katastrophalen Ort: „Kein Militär, kein Geld, keine Regierung, Krieg zwischen zwei Städten. Ich denke am Ende des Jahres werden keine Syrer in Libyen mehr übrig sein“.Für mich habe ich gehofft, ich könnte nach Syrien zurückkehren, aber es ging nicht. Ich hatte keine andere Wahl“.

Seit Anfang 2017 hat das Rettungsschiff Aquarius 2012 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt und an Bord mit Kleidung, Essen, Trinken versorgt und medizinische Notfälle betreut.

Text: Tamilwai Kolowa & Verena Papke