SOS MEDITERRANEE rettet 251 Menschen. Gerettete berichten über menschenunwürdige Zustände in Libyen.

SOS MEDITERRANEE rettet 251 Menschen. Gerettete berichten über menschenunwürdige Zustände in Libyen.

Pressemitteilung                                                                                                                                                                                                     Berlin, 28.08.2017


In zwei Rettungen hat das Team der Aquarius am Sonntag, den 27. August, 251 Gerettete an Bord genommen. Viele Menschen weisen Verletzungen auf, die ihren Erzählungen nach auf Misshandlungen aus ihrer Zeit in Libyen zurückzuführen sind. Zugleich erlitten zahlreiche Geflüchtete schwere Verbrennungen, die durch das Gemisch von Salzwasser und auslaufendem Benzin auf einem der überfüllten Schlauchboote verursacht wurden. Das Team von Ärzte ohne Grenzen kümmerte sich um die Verletzten.

Während einige zivile Organisationen ihren Einsatz in den letzten Wochen ausgesetzt hatten, hat SOS MEDITERRANEE den Rettungseinsatz im zentralen Mittelmeer ohne Unterbrechung fortgesetzt. „Wir haben seit Ende Juli einen Rückgang der Überfahrten von Libyen aus beobachten können. Heute aber haben wir gemeinsam mit unseren Kolleg*innen von Proactiva Open Arms wieder Menschen aus Seenot retten müssen, darunter Verletzte und kleine Kinder. Was würde passieren, wenn keine humanitären Organisationen samt medizinischem Team mehr vor Ort wären?“ fragt Sophie Beau, Vize Präsidentin von SOS MEDITERRANEE.

Die durch die Rettungseinsatzzentrale in Rom koordinierte Rettung in internationalen Gewässern zeigt in gleichzeitiger Abwesenheit staatlicher Seenotrettungskapazitäten die Notwendigkeit von humanitären zivilen Organisationen wie SOS MEDITERRANEE. Ein junger Geretteter aus Kamerun, der in Libyen sechs Monate im Gefängnis festgehalten wurde, berichtet von willkürlicher Gewalt: „Ich war sechs Monate im Gefängnis und habe in dieser Zeit so gut wie nie Tageslicht gesehen. Einmal brachten sie zehn neue Gefangene, von denen sie zwei willkürlich auswählten und töteten um uns zu zeigen, dass wir Lösegeld zahlen müssten, damit es uns nicht passiert. Vier weitere schlugen sie willkürlich. Gepeitscht wurden wir morgens, mittags, abends. Sie schlagen dich den ganzen Tag – wegen nichts. Sie töten Menschen und werfen sie in eine Höhle, die sie erst zumachen, wenn die Höhle voll ist.“

SOS MEDITERRANEE fordert die Europäische Union und so auch die Bundesregierung dazu auf, ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden, anstatt sie auf bewaffnete Gruppen abzuwälzen, die derzeit in internationalen Gewässern unterwegs sind und sich als »libysche Küstenwache« bezeichnen. Diese Gruppen bedrohen die Menschen in den Booten und bringen sie gegen ihren Willen nach Libyen zurück, wo sie wieder in den Kreislauf der Gewalt geraten. Die Aufgabe von SOS MEDITERRANEE besteht darin, die Flüchtenden zu retten und zu schützen. Sie nach Libyen zurückzubringen, ist daher keine Option. Rettungsorganisationen müssen ihre lebensrettenden Einsätze ohne jegliche Behinderungen und Einschränkung weiterführen können. Wird der Zugang und die Arbeit von Rettungsorganisationen eingeschränkt, werden wieder vermehrt Menschen sterben.

Pressekontakt: Jana Ciernioch +049 173 4071721 / j.ciernioch@sosmediterranee.org