SOS MEDITERRANEE rettet 20 Menschen aus Seenot // Testimony: „Menschen werden wegen Nichts umgebracht“

SOS MEDITERRANEE rettet 20 Menschen aus Seenot // Testimony: „Menschen werden wegen Nichts umgebracht“

Pressemitteilung                                                                                                                                                                            Berlin, 26.09.2017


Das Team der Aquarius hat am Montag in internationalen Gewässern 25 Seemeilen nördlich von Sabratha 20 Menschen aus einem kleinen Fiberglasboot gerettet. Das Boot, in dem sich auch 4 Frauen und 5 Kinder befanden, wurde über Radar und Fernglas vom Rettungsteam der Aquarius gesichtet. SOS MEDITERRANEE meldete den Seenotfall sofort beim Maritime Rescue Coordination Center (MRCC) Rom, wurde jedoch darüber informiert, dass die libysche Küstenwache den Fall koordinieren würde.

Nachdem auf wiederholte Telefonanrufe keine Reaktion der libyschen Küstenwache erfolgte, bat die SAR-Koordinatorin das MRCC um Erlaubnis zur Evakuierung eines Kindes mit Atemproblemen und derjenigen, die schwere Anzeichen von Dehydrierung aufwiesen, um sie an der Bord-Klinik vom medizinischen Partner „Ärzte ohne Grenzen“ behandeln lassen zu können.

Die medizinischen Notfälle, ihre Angehörigen und zu einem späteren Zeitpunkt auch alle anderen Personen wurden letztendlich an Bord der Aquarius gebracht. Die Rettung erfolgte damit im Einklang mit Internationalem Seerecht, welches die Unterstützung bei Seenotfällen vorschreibt.

Zwei nicht zu identifizierende Schnellboote beobachteten den Einsatz aus der Ferne. Sie nahmen keinen Kontakt zum Team der Aquarius auf, beteiligten sich nicht an der Rettung und schienen auch nicht von der libyschen Küstenwache kontrolliert zu werden.

Ein junges Paar, beides Studenten, berichtet, dass sie Libyen aufgrund des allgemeinen gewalttätigen Klimas verlassen mussten: „Die Welt muss wissen, was in Libyen passiert, die Situation ist dramatisch. Menschen werden wegen Nichts umgebracht. Wenn nichts passiert, werden alle sterben.

Sie erzählen von einem Freund, der angeschossen wurde, nachdem er sein Geld nicht an einen Bewaffneten abgeben wollte. “Er wurde an der Hand und am Bauch verletzt, konnte aber nicht in Libyen behandelt werden, weil es in Libyen keine guten Ärzte mehr gibt und die, die noch da sind um ihre eigene Sicherheit fürchten.”

Heute fährt die Aquarius mit voller Kraft Richtung Pozzalo in Süd-Italien, damit die Notfälle an Bord so schnell wie möglich umfassend medizinisch versorgt werden und alle Geretteten in einen sicheren Hafen gelangen.“

„Die Situation im Mittelmeer wird immer komplexer, aber ein Gesetz hat Vorrang: das Seerecht verpflichtet uns dazu, Menschen aus Seenot zu retten. Es ist nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Pflicht für SOS MEDITERRANEE und sollte es auch für alle europäischen Staaten sein, vor deren Tür sich diese humanitäre Krise abspielt. SOS MEDITERRANEE fordert die europäischen Regierungen erneut dazu auf, den Zeugnissen der Geretteten, die eine Situation des Chaos und der täglichen Gefährdung der Zivilbevölkerung in Libyen beschreiben, zuzuhören.” (Sophie Beau, Vize-Präsidentin von SOS MEDITERRANEE International)

Mit der Bitte um Veröffentlichung.