SOS MEDITERRANEE bringt 265 Menschen in Sicherheit – Die Tragödie im Mittelmeer geht weiter

SOS MEDITERRANEE bringt 265 Menschen in Sicherheit – Die Tragödie im Mittelmeer geht weiter

Pressemitteilung                                                                                                                                                                                                                    Berlin, 01.09.2017


SOS MEDITERRANEE war mit dem Rettungsschiff Aquarius innerhalb der letzten 48 Stunden an 4 Rettungseinsätzen im zentralen Mittelmeer beteiligt und hat in Koordination mit der Seenotleitstelle MRCC in Rom 265 Schiffbrüchige in Sicherheit gebracht.

Bereits am Dienstag, den 29.08. konnte das Team der Aquarius drei Holzboote mit insgesamt 122 Personen bergen. Eines der Boote war zuvor von dem Versorgungsschiff Vos Thalasso entdeckt worden. Die anderen wurden vom MRCC Rom gemeldet. Alle Rettungen wurden auf Anweisung des MRCC Rom durchgeführt und fanden in internationalen Gewässern statt.

Am Mittwochnachmittag hat die Aquarius auf Anweisung des MRCC Rom 56 Meilen vor der libyschen Küste 143 Flüchtende an Bord genommen. Sie waren zuvor von dem italienischen Versorgungsschiff Asso Venticinque aus Seenot gerettet worden.

Unter den am Dienstag Geretteten befanden sich zwei 13 und 17 Jahre Brüder aus Syrien. Sie waren nach eigenen Angaben von Damaskus aus über den Sudan nach Libyen geflohen.

Ein 28-jähriger Überlebender aus Gambia berichtete an Bord der Aquarius von den Zuständen in Libyen: „Ich habe die Überfahrt zum ersten Mal am vierten Tag des Ramadans gewagt. Die Oussama Leute haben uns aber aufgegriffen und zurück ins Gefängnis nach Libyen gebracht, wo wir zu hunderten hausten und wo sie uns mit Rohren geschlagen haben. Das Problem in Libyen ist, dass es kein Recht gibt.“

Unter den Geretteten befanden sich auch Flüchtende aus Libyen: „Jeden Tag sterben Freundinnen und Freunde von uns oder werden von Milizen gekidnappt. Wir fliehen vor dem Krieg und auch weil es in Libyen kein Geld mehr gibt. Die Regierung druckt kein Geld mehr“, berichtete einer von ihnen.

Alle 265 Überlebenden hat SOS MEDITERRANEE auf Anweisung der Seenotleitstelle in Rom am Freitagmorgen sicher nach Sizilien gebracht. Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage vor der libyschen Küste haben einige private Seenotretter*innen ihren Einsatz vorübergehend ausgesetzt. Alle verbleibenden NGOs waren in den vergangenen Tagen in Rettungseinsätze eingebunden und befinden sich momentan außerhalb des Einsatzgebiets in internationalen Gewässern. Zur Zeit befinden sich demnach keine zivilen Rettungsschiffe im zentralen Mittelmeer.

Ungeachtet des erhöhten Drucks auf NGOs im Mittelmeer ruft SOS MEDITERRANEE die EU und die Bundesregierung dazu auf, ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden und dem Schutz von Menschenleben Vorrang zu gewähren. Sophie Beau, Vize-Präsidentin von SOS MEDITERRANEE, betont: „Wir können unsere Aufforderung an die europäischen Staaten nur wiederholen, diese beängstigenden Zeugnisse zu hören, bevor es zu spät ist und bevor mehr Menschen, die versuchen aus Libyen zu fliehen, auf See sterben oder im Stich gelassen und in die Hände ihrer Henker zurückgeschickt werden.“

Pressekontakt: Jana Ciernioch / +49 302205681 /  j.ciernioch@sosmediterranee.org