SOS MEDITERRANEE an komplizierten Rettungseinsätzen beteiligt: Acht Leichen aus Schlauchboot geborgen – 272 Menschen gerettet

SOS MEDITERRANEE an komplizierten Rettungseinsätzen beteiligt: Acht Leichen aus Schlauchboot geborgen – 272 Menschen gerettet

Das Drama im Mittelmeer findet kein Ende. Die europäische Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE befindet sich seit Dienstagnachmittag im Dauereinsatz und hat zwischenzeitlich 272 Menschen und 8 Tote an Bord aufgenommen. Einer der Geretteten musste mit schweren Schussverletzungen notevakuiert werden.

Dienstag: Acht Leichen aus einem Schlauchboot geborgen

Am Dienstag, den 01. August, unterstützte SOS MEDITERRANEE auf Anweisung der italienischen Seenotleitstelle MRCC die Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms bei der Rettung von vier Schlauchbooten in internationalen Gewässern 20 Meilen östlich von Tripoli. Die Crew der Aquarius half unter anderem bei einem Transfer von 119 Personen, die zuvor von dem Transportschiff Santa Lucia gerettet wurden, auf das Schiff Golfo Azzurro von Proactiva Open Arms. Am Boden des Schlauchbootes fanden die Retter*innen die Leichen von acht Geflüchteten. Sie waren offenbar in der Mitte des vollkommen überbesetzten Bootes erdrückt worden.

Unter den Überlebenden befindet sich die zweijährige Tochter einer der Toten. Das kleine Mädchen war noch an Bord des Schlauchbootes, als ihre Mutter starb und stand unter Schock.
Die Leiche der Mutter, zwei weiterer Frauen und fünf Männern wurden nach der Rettung aus dem Schlauchboot geborgen und an Bord der Aquarius gebracht. Laut des medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen, sind die Menschen erstickt und wiesen schwere Verbrennungen vom Gemisch aus Benzin und Salzwasser auf.

Es war unglaublich verstörend, den Gesichtsausdruck der Toten zu sehen. Diese Menschen sind einen schrecklichen und vollkommen überflüssigen Tod gestorben,“ sagte eine Ärztin von Ärzte ohne Grenzen an Bord der Aquarius.

Die Überlebenden berichteten, dass sie die libysche Küste in den frühen Morgenstunden zwischen drei und vier Uhr verlassen hatten. Gegen 15 Uhr wurden sie am Dienstagnachmittag gerettet.

 

Mittwoch: 272 Menschen gerettet. Ein Mann mit Schussverletzungen notevakuiert

Unter Anweisung des MRCC hat die Aquarius-Crew am Mittwoch, den 02. August 272 Menschen in internationalen Gewässern östlich von Tripoli gerettet.

Am späten Vormittag wurden zunächst 17 Libyer von einem kleinen Boot gerettet. Einige der Geretteten waren stark dehydriert. An Bord der Aquarius berichteten sie den Journalist*innen von AFP und Huffington Post, dass sie als Künstler aufgrund der eingeschränkten Meinungsfreiheit in Libyen aus ihrem Heimatland geflohen seien.

Wenig später erreichte der nächste Notruf der italienischen Seenotleitstelle die Aquarius: Ein Holzboot mit 255 Menschen hauptsächlich aus Eritrea „war völlig überladen und hätte jeden Moment kentern können“, berichtete der Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE. Alle 252 Geflüchteten wurden sicher an Bord der Aquarius gebracht.

Ein junger Somalier wurde mit schweren Schussverletzungen im Bauchbereich an Bord genommen und vom medizinischen Team von Ärzte ohne Grenzen (MSF) notfallbehandelt. Nachdem der Patient stabilisiert werden konnte, wurde der 19-Jährige aufgrund der schweren Verletzungen auf ein spanisches Kriegsschiff evakuiert, um zur weiteren Behandlung mit dem Hubschrauber nach Malta ausgeflogen zu werden.

In den Abendstunden hat die italienische Seenotleitstelle dann den Transfer der 272 Geretteten angeordnet. Sie wurden mitsamt der acht Leichen an das Schiff Vos Hestia der NGO Save The Children übergeben. „Die Einsätze in den letzten Stunden zeigen, dass die Übergabe der Geretteten von einem Schiff zu einem anderen entscheidend ist zur Optimierung der Rettungskapazitäten. Die tödlichen Überfahrten nehmen kein Ende. Die komplizierten Einsätze bezeugen außerdem, die Professionalität der Teams von SOS MEDITERRANEE und MSF an Bord der Aquarius weitere Tragödien verhindert hat. 272 Menschen, die in größter Lebensgefahr waren, konnten unter extremen Bedingungen gerettet werden“, erklärte Sophie Beau, Mitgründerin und stellvertretende Vorsitzende des internationalen Netzwerkes von SOS MEDITERRANEE.

Auf Anweisung der Seenotleitstelle Rom bleibt die Aquarius vorerst in den internationalen Gewässern – bereit weitere Menschen aus Seenot zu retten.

Die Tragödie im Mittelmeer nimmt kein Ende und Nichtregierungsorganisationen wie SOS MEDITERRANEE sind täglich Zeugen des menschlichen Dramas. Seit Beginn unseres Einsatzes vor 18 Monaten, werden wir nicht müde, notwendige staatliche Rettungskapazitäten zu fordern – weil nur so der zu erwartende Tod tausender weiterer Menschen verhindert werden kann,“ sagte Beau.