Logbuch #70: „Eine kleine Unterhaltung, während das Team an Bord der Aquarius auch nachts alles tut, um sicherzustellen, dass es allen gut geht.“

Logbuch #70: „Eine kleine Unterhaltung, während das Team an Bord der Aquarius auch nachts alles tut, um sicherzustellen, dass es allen gut geht.“

Till aus dem Rettungsteam erzählt von seiner nächtlichen Unterhaltung mit Zachary*, nach einem Rettungseinsatz im April.

Vor vier Jahren verließ Zachary sein Heimatland in Sub-Sahara Afrika, um, in der Region, einen besseren Ort zum Leben und Arbeiten zu finden und gelangte so schließlich nach Ghana. Dort verbrachte er zwei Jahre und arbeitete in einer Glas Fabrik. Es ging ihm ziemlich gut und er genoss ein gutes Leben mit seiner Frau Laila.* Eines Tages bekam Zachary einen Anruf von einem Freund. Ihm wurde von einer vielversprechenden Jobaussicht erzählt. In Libyen. Zunächst hatte Zachary Zweifel nach Libyen zu gehen, weil er besorgniserregende Nachrichten aus diesem Land gehört hatte. Doch ihm wurde versichert, dass das Leben dort großartig sei und es nun bei ihm liege, die Möglichkeit wahrzunehmen sein Leben zu verbessern. Zachary vertraute seinem Freund und entschied sich seine Reise nach Libyen fortzusetzen. Bei seiner Ankunft in Libyen stellte sich jedoch schnell heraus, dass er in der Hölle angekommen war. Er wurde eingesperrt und konnte seine Freiheit nur zurückerlangen, nachdem er 1.000 Euro gezahlt hatte. Diese hatte er in seiner Zeit in Ghana angespart. Doch hatte er nicht genug Geld um auch die Freiheit seiner Frau zu erkaufen, die gerade schwanger war. Der Preis für ihre Freilassung betrug 2.000 Euro. Zachary entschied sich das Risiko auf sich zu nehmen und das Mittelmeer zu überqueren, in der Hoffnung in Europa Arbeit zu finden und genug Geld zu verdienen, um für die Freilassung seiner Frau bezahlen zu können. Er schaffte es, zusammen mit 100 anderen, ein Schlauchboot von ein paar Schmugglern zu kaufen. An dem Abend als sie den Strand erreichten kennzeichneten die Schmuggler das Boot sobald alle Passagiere das Geld bezahlt hatten: “Glücklicherweise hat jeder bezahlt”, berichtet er, so gerieten sie nicht in Gefahr von den Schmugglern erschossen zu werden. Er wusste das so etwas schon einmal passiert war, als jemand nicht genug Geld hatte und dennoch versuchte in eins der Boote zu gelangen. Er erzählte uns auch, dass er erleichtert war, als er feststellte, dass ein Fischer aus seinem Land mit auf dem Boot war und ihm gesagt wurde, dass dieser der Kapitän sein würde. Das beruhigte ihn, denn er wusste das diese Fischer auch erfahrene Seefahrer waren. Es ist immer noch Nacht als Zachary seine Geschichte erzählt. Eine kleine Unterhaltung, während das Team an Bord der Aquarius auch nachts alles tut, um sicherzustellen, dass es allen gut geht.

***

* Name geändert

Von Till Rummenhohl, SAR Team Mitglied, er sprach mit Zachary* während des Rettungseinsatzes am 14. April 2017.

Übersetzung: Ilona Rüsch