Logbuch #69: „Wir geben ihnen nicht unbedingt ein besseres Leben, aber sie bekommen die Chance eines zu haben. Eine Chance zu leben“

Logbuch #69: „Wir geben ihnen nicht unbedingt ein besseres Leben, aber sie bekommen die Chance eines zu haben. Eine Chance zu leben“

Nicolas fährt mittlerweile seit 17 Jahren zur See. Er fing an auf kleinen Booten und Beibooten zu segeln und arbeitete später als Rettungsschwimmer, bevor er sich dem SAR Team von SOS Méditerranée anschloss.

In den 10 Jahren, die Nicolas als Skipper arbeitete, hat er den Atlantik, das Mittelmeer und den indischen Ozean bereist. Letztes Jahr war er bei MOAS als Rettungsschwimmer tätig, bevor er sich bei SOS Méditerranée bewarb und angenommen wurde, „Ich denke SOS Med ist eine der besten Organisationen, die es gibt. Vor allem das gegenwärtige Such- und Rettungsteam besteht aus einer professionellen Gruppe, die viel Erfahrung einbringt. Und ich wollte ein Teil von dem sein!“, sagt er, als er von seiner Motivation spricht, SOS beizutreten.

Als ich ihn frage, was er bei seiner Arbeit am liebsten macht ist seine Antwort einfach: „Den Menschen eine Chance geben. Wenn wir nicht dort draußen wären, würden die meisten Leute sterben. Wir geben ihnen nicht unbedingt ein besseres Leben, aber sie bekommen die Chance eines zu haben. Eine Chance zu leben.“

Aber  dies hat einen Preis. „Das härteste an diesem Job ist der Stress. Man muss den ständigen Druck aushalten, dass nichts vorhergesehen, nichts geplant werden kann. Ich meine, du kannst mit deinem Team so viel trainieren wie du willst, aber es hängt ganz von der Einstellung der Menschen ab und wie die Leute reagieren, wenn eine Rettung beginnt. Wenn etwas schiefläuft, sterben Menschen. Bis zu einem bestimmten Grad ist dies nicht vermeidbar, das muss einem klar sein. Du tust alles, was dir möglich ist um das zu verhindern, aber die Möglichkeit, dass es passiert ist trotzdem ziemlich hoch.“

Obwohl Nicolas während eines Rettungseinsatzes hauptsächlich auf dem RHIB ist, ist er – wie alle Mitglieder des Teams – in alle Bereiche involviert, wenn die Geretteten sicher an Bord der Aquarius sind. „Die Fürsorge, die den Menschen gegeben wird, beeindruckt mich am meisten. Für viele Menschen ist es wahrscheinlich das erste Mal nach einer langen Zeit, dass sie solch eine Aufmerksamkeit bekommen und sich um sie gekümmert wird. Man sieht, wie sie ein wenig entspannen und das ist ein gutes Gefühl.“

Solange er das Stresslevel und die Frustration, die Teil seines Jobs sind, bewältigen kann, möchte Nicolas weiter für das Such- und Rettungsteam arbeiten. „Es wäre natürlich großartig, wenn eine Lösung dafür gefunden würde, das Sterben im Mittelmeer zu beenden. Solange das nicht passiert, werde ich weitermachen!“

 

Übersetzung: Ilona Rüsch