Logbuch #66: “Kein Kind sollte diese Reise durchmachen müssen. Kein Kind verdient es auf See um sein Leben zu bangen.”

© Marcella Kraay/ MSF

Logbuch #66: “Kein Kind sollte diese Reise durchmachen müssen. Kein Kind verdient es auf See um sein Leben zu bangen.”

Es ist das erste Mal für Matthias auf der Aquarius. Er arbeitet normalerweise als Seefahrer in Kiel, Deutschland.

Ich wollte immer zur See fahren, soweit ich zurückdenken kann. Ich kam zu SOS Med weil ich überzeugt bin, dass es genau jetzt das richtige ist. Das Mittelmeer ist zu einem Massengrab geworden und ich wollte dazu beitragen, diese Tragödie zu minimieren. Ich bin mir meines Privilegs bewusst, in diesen Standards leben zu dürfen. Ich wollte etwas zurückgeben, es mit anderen teilen, so gut wie ich kann. Kapitän Schmidt war mein Lehrer auf der Seefahrer Schule in Travemünde; er hat meine Aufmerksamkeit auf die Such- und Rettungsmissionen im Mittelmeer gelenkt. Er erzählte mir, dass SOS Med aktuell nach Leuten sucht, die bei der Mission helfen.

Das Schlimmste, das ich während meiner Zeit an Bord zu Gesicht bekam, waren Kinder und schwangere Frauen die von den Schlauchbooten gerettet wurden. Es schmerzt zu sehen, dass sie keine andere Option sehen, als sich und ihre Kinder in diese gefährliche Situation zu bringen.

Im Grunde waren es die Kinder die mich motiviert haben hierher zu kommen. Kein Kind darf bei politischen und religiösen Themen mitentscheiden, geschweige denn wo sie aufwachsen. Kein Kind sollte diese Reise durchmachen müssen. Kein Kind verdient es auf See um sein Leben zu bangen. Die Menschen, die wir retten gehören zu der verletzlichsten Gruppe, ihnen zu helfen und sie zu unterstützen ist mir wichtig.

Ich glaube, was wir hier tun, was SOS Med hier tut ist das Richtige. Es wird dringend gebraucht. Es braucht mehr Organisationen dieser Art, eine öffentliche Unterstützung unserer Arbeit. Die Menschen in Europa sollten mehr Empathie zeigen für Menschen, die um ihr Leben fliehen. Wir brauchen mehr Unterstützung für die Such- und Rettungsaktionen. Ich hoffe, dass ich mehr Leute zu Hause erreiche, andere Seefahrer, die SOS Med oder anderen Organisationen beitreten, um anderen das Leben zu retten.

 

Übersetzung: Franziska Schneider

Foto: Marcella Kraay/ MSF