In Reaktion auf die andauernde Krise im Mittelmeer: Schweiz tritt europäischem Netzwerk SOS MEDITERRANEE bei

In Reaktion auf die andauernde Krise im Mittelmeer: Schweiz tritt europäischem Netzwerk SOS MEDITERRANEE bei

Berlin / Genf / Marseille / Palermo, 18.10.2017


Als Antwort auf die andauernde humanitäre Krise im Mittelmeer geht die Mobilisierung der europäischen Zivilgesellschaft weiter. Die europäische Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANEE ist seit 18 Monaten durchgehend im Einsatz, um Flüchtende vor dem Ertrinken zu retten. Anfang des Monats haben die europäischen Seenotretter*innen Zuwachs bekommen: Die Schweiz ist als vierter Verein dem internationalen Netzwerk SOS MEDITERRANEE beigetreten.

Das Drama auf dem Mittelmeer betrifft uns alle, da es unsere fundamentalen Wertevorstellungen in Frage stellt. SOS MEDITERRANEE ist eine praktische Demonstration europäischer Zivilcourage, solidarisch und zugleich zutiefst menschlich, die sich mit einem real-politischen Versagen konfrontiert sieht“, erklärte Thomas Bischoff, Präsident des neuen gegründeten Vereins SOS MEDITERRANEE Schweiz. „Wir werden versuchen, die Schweizer Bürgerinnen und Bürger zu mobilisieren, das Bewusstsein für die Situation auf dem Mittelmeer schärfen und zur Finanzierung des Einsatzes der Aquarius beizutragen.“

Erst letzte Woche bewahrte SOS MEDITERRANEE zusammen mit dem Kooperationspartner Ärzte ohne Grenzen (MSF) insgesamt 606 Personen, darunter 241 Minderjährige, vor dem sicheren Ertrinken. Gestern Nacht nahm die Aquarius weitere 111 Personen auf. Sie waren zuvor von einem italienischen Marineschiff gerettet worden. Auf Anweisung der Seenotleitstelle in Rom (MRCC) befindet sich die Aquarius zurzeit auf dem Weg in Richtung Sizilien, wo die 111 Überlebenden in einen sichereren Hafen gebracht werden.

Die Situation auf dem Mittelmeer hat sich seit Beginn des Einsatzes von SOS MEDITERRANEE im Februar 2016 nicht verändert. Männer, Frauen und Kinder flüchten weiterhin vor der Gewalt in Libyen. 35% der in diesem Jahr von der Aquarius geretteten Flüchtlinge sind minderjährig.

Die Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Deutschland, Verena Papke, sagte: „Die Krise vor den Türen Europas geht unverdrossen weiter. Die Dringlichkeit organisierter Such- und Rettungseinsätze im Mittelmeer besteht nach wie vor und solange die europäischen Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung nicht nachkommen, wird die europäische Zivilgesellschaft weiteres Sterben im Mittelmeer verhindern müssen. Die Gründung von SOS MEDITERRANEE Schweiz unterstreich diese Notwendigkeit.