In eigenen Worten #24: “Sie kommen in unsere Dörfer, um uns zu töten”

In eigenen Worten #24: “Sie kommen in unsere Dörfer, um uns zu töten”

Abu, S.* ist 25 Jahre alt. “Ich bin aus dem Südsudan. Kennst du Darfur?”, fragt er mich als ich ihn auf dem Deck der Aquarius treffe. Ein paar Stunden zuvor ist er von unserem Team gerettet worden. “Ja, ich kenne die Situation”, sage ich.

Die Milizen kommen in unsere Dörfer und töten uns. Meinen Vater haben sie umgebracht. Meine Mutter hat überlebt.” Abu S. hat eine lange und schmerzhafte Reise hinter sich. “Ich habe Darfur vor einigen Monaten verlassen. Ich glaube es ist sechs oder sieben Monate her. Die letzten fünf Monate habe ich in Libyen verbracht. Es war furchtbar. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es dort ist.

Abu S. ist Akademiker. “Ich habe Elektrotechnik studiert. Aber ich hatte noch nie einen Job. Als jemand, der aus Darfur kommt, habe ich keine Chance einen Job zu bekommen.” Als er in Libyen ankam, wurde er auf der Straße festgenommen und ins Gefängnis gesteckt. “Ich wurde verhaftet, ohne dass ich irgendetwas getan habe. Das passiert jeden Tag. Und wenn du nicht festgenommen wirst, töten sie dich vielleicht. Auch das ohne jeden Grund.

Der junge Mann hat drei Monate im Gefängnis verbracht. “Sie schlugen mich. Ihr könnt euch das nicht vorstellen. Dann haben sie meine Familie kontaktiert und ihnen gesagt, dass sie für mich zahlen müssen, sonst würden sie mich töten.” Seine Familie hat gezahlt. Abu S. wurde entlassen und eine weitere Gruppe in Libyen zwang ihn, eines der Boote zu besteigen. “Ich musste nichts bezahlen, aber sie haben erneut meine Familie kontaktiert. Sie haben für mich gezahlt. Erneut. Ich hoffe, ich werde ihnen das eines Tages zurückgeben können.

Abu S. wurde in einem der größten Rettungseinsätze gerettet, die SOS MEDITERRANEE bisher hatte. Alle Kinder, Frauen und Männer auf den drei am 28.12.2016 geretteten Holzbooten, konnten auf den Decks der Aquarius und eines Marineschiffs in Sicherheit gebracht werden.

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(*Name wurde geändert)

Text: René Schulthoff
Übersetzung: Charlotte Bolwin
Photo: Laurin Schmid