Vorabveröffentlichung: Geschäftsführer Timon Marszalek zu „Fluchtrouten – wie flüchten Menschen nach Europa?“

Vorabveröffentlichung: Geschäftsführer Timon Marszalek zu „Fluchtrouten – wie flüchten Menschen nach Europa?“

Warum müssen Menschen auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ihr Leben riskieren? Welchen Einfluss hat das sogenannte ’Schließen‘ von Grenzanlagen auf Migrationsbewegungen? Was hat die Politik der Europäischen Union (EU) und ihrer Mitgliedsstaaten mit dem massenhaften Sterben im Mittelmeer zu tun?
Bekämpft die EU tatsächlich Schmugglernetzwerke oder fördert sie sie gar mit ihren ’migrationspolitischen Maßnahmen‘? Welche Debatten müssen wir wirklich führen, um Migration und Flucht besser zu verstehen und langfristig steuern zu können?
Dies sind zentrale Fragen, die wir uns bei der Arbeit als zivile Seenotretter*innen immer wieder stellen. Häufig kommen wir dabei zu ernüchternden Erkenntnissen. Zivile Organisationen für die Seenotrettung (engl. SAR – search and rescue) wie SOS MEDITERRANEE wurden und werden immer wieder von Politiker*innen und in den Medien für ihre lebensrettende Arbeit diskreditiert. Von den zugrunde liegenden Problemen, den tiefsitzenden Ursachen für Flucht und Migration, wird damit effektiv abgelenkt. Das gleiche tun populistische Parteien mit ihrer angstschürenden Propaganda. Es ist erschreckend, wie viele Politiker*innen nicht bereit oder nicht in der Lage sind, die Gründe für Flucht und Migration sachlich und reflektiert zu diskutieren. Wie bekommen wir als Zivilgesellschaft einen Wandel zustande, weg von dieser verfehlten Politik?
Anhand einiger Beispiele und entlang der Prinzipien europäischer Grenz- und Migrationspolitik wird in diesem Artikel versucht, einige dieser Fragen zu erörtern. Wenngleich diese kurze Abhandlung selbstverständlich nicht die Lösungen auf sämtliche hier aufgeworfene zivilisatorische Herausforderungen geben kann, so sollen die Leser*innen doch zum Nachdenken über die Phänomene der gesellschaftlichen und politischen Gegenwart bewegt werden.
Ein herzlicher Dank für die tatkräftige und moralische Unterstützung während des Verfassens dieses Artikels geht insbesondere an Klaus Bade, Heiko Kauffmann, Sophie Beau, Susanne Meyer, Verena Papke, Jana Ciernioch, Dirk Braunheim, Florian Steiner und Carolyn Whitten.
Timon Marszalek, Berlin, Juni 2017

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