731 Flüchtende gerettet, auch andere NGOs im Dauereinsatz

731 Flüchtende gerettet, auch andere NGOs im Dauereinsatz

Berlin, 06. Mai 2017


Zivile Seenotretter*innen an Kapazitätsgrenzen: SOS MEDITERRANEE rettet 731 Flüchtende, auch andere Organisationen im Dauereinsatz

Die Crew der Aquarius Crew hat am gestrigen Freitag in einem mehrstündigen Dauereinsatz Flüchtende vor dem Ertrinken gerettet. Mehr als 13 Stunden dauerte der schwierige Einsatz, bei dem von vier Schlauch- und zwei Holzbooten insgesamt 731 Flüchtlinge gerettet wurden. Unter ihnen 116 Kinder und Jugendliche. Bereits in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erhielt die Aquarius von der Rettungsleitstelle MRCC in Rom die ersten Notrufe und Anweisungen, die Such- und Rettungsarbeiten in internationalen Gewässern einzuleiten. Laut Angaben von MRCC befanden sich zeitweise mehr als 20 Boote gleichzeitig in akuter Seenot. Die Boote waren teilweise beschädigt und sanken, einige Flüchtende befanden sich bereits im Wasser.

Wir sind hier im Mittelmeer Zeugen der Abwesenheit eines offiziellen Seenotrettungsprogramms und kommen als zivile Retter*innen regelmäßig an unsere Kapazitätsgrenzen. 13-stündige Einsätze wie gestern sind längst keine Einzelfälle mehr“, sagte Timon Marszalek, Geschäftsführer von SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V., derzeit an Bord der Aquarius.

Gegen 19:00 Uhr war der letzte Flüchtende sicher an Bord und der Einsatz beendet. Einige der Geretteten berichteten, sie seien am Strand in Libyen von bewaffneten Gruppen auf die Boote gezwungen worden. Eine marokkanische Geflüchtete, die längere Zeit in Libyen gelebt hatte, sagte aus, sie sei geflohen, weil sie sich geweigert hatte, einen libyschen Mann zu heiraten und dieser sie daraufhin massiv bedroht habe. Eine weitere Frau erzählte an Bord der Aquarius, sie sei mit ihren drei Babys aus Libyen geflohen, nachdem ihr Mann entführt worden sei und sie um das Leben ihrer Kinder fürchten musste. Beide Frauen gaben an, sie hätten große Angst vor der Überfahrt gehabt, letztlich aber keinen anderen Weg gesehen.

Dank der professionellen Zusammenarbeit mit Save the Children konnten zwei Mütter mit ihren Kindern wiedervereint werden. Sie waren in der unübersichtlichen Lage von zwei unterschiedlichen Teams gerettet worden und schließlich wieder zusammengebracht. Die italienische Küstenwache, die ebenfalls mehrere hundert Menschen an Bord nahmen, bedankte sich nach Beendigung des Einsatzes für die gute Zusammenarbeit mit SOS MEDITERRANEE.

Das medizinische Team von Ärzte ohne Grenzen behandelte an Bord der Aquarius unter anderem über 30 Menschen mit äußeren Verbrennungen, die vom Kontakt mit Benzin und Meerwasser stammten. Einige der Geflüchteten wurden mit Verletzungen behandelt, die nach eigenen Aussagen Folge der Misshandlungen in Libyen waren. „Ich hatte keine Ahnung von der Überfahrt, ich wusste nicht, wie weit Italien ist und es war mir auch egal. Ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt, um Libyen zu entkommen“, erklärte ein Überlebender an Bord der Aquarius.

Ohne die Präsenz der zivilen Seenotretter*innen würden weitaus mehr Menschen bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa sterben. Daher fordert SOS MEDITERRANEE alle europäischen Institutionen und Regierungschefs dazu auf, die notwendigen Mittel zur Rettung von Leben auf hoher See bereitzustellen, um den weiteren Verlust von Menschenleben zu vermeiden.

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