+++645 Menschen vor Ertrinken gerettet+++

+++645 Menschen vor Ertrinken gerettet+++

Berlin, 26.03.2017


SOS MEDITERRANEE hat mit der Unterstützung weiterer ziviler Rettungsschiffe in der Nacht von Samstag auf Sonntag innerhalb von sechs Stunden 645 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. Für eine junge Frau kam jede Hilfe zu spät, sie konnte nur noch tot geborgen werden. Die Geretteten werden zurzeit an Bord des gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen (MSF) betriebenen Rettungsschiffes Aquarius versorgt. Bereits am vergangenen Wochenende hatte die Crew der Aquarius in einem Großeinsatz 945 Menschen gerettet.

Weitere im Mittelmeer aktive Hilfsorganisationen haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag mehrere hundert Menschen aus seeuntauglichen Booten in Sicherheit gebracht. Trotz der Präsenz von aktuell sieben zivilen Rettungsschiffen zwischen Libyen und Italien, sind vergangene Woche vermutlich mehrere hundert Menschen bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, ertrunken. Die Organisationen Pro Activa Open Arms und Jugend Rettet konnten einige Leichen bergen. Laut IOM sind in diesem Jahr bereits 559 Menschen ertrunken – deutlich mehr als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Die privaten Seenotrettungsorganisationen sehen sich derzeit zunehmend der Kritik von offiziellen Behörden und Politiker*innen ausgesetzt. Neben dem Vorwurf der Zusammenarbeit mit Schmugglern wird vor allem kritisiert, dass der Einsatz der privaten Schiffe Flüchtlingen als Anreiz dienen würde, die gefährliche Überfahrt nach Europa zu riskieren.

Die Vorwürfe lassen jedoch außer Acht, dass das Seevölkerrecht und die internationalen Abkommen in dieser Hinsicht eindeutig sind: Auf See hat jeder die Pflicht, einem in Seenot geratenen Schiff zur Hilfe zu kommen. Dies hat SOS MEDITERRANEE im letzten Jahr ausschließlich auf Anweisung der staatlichen Rettungsleitstelle MRCC in Rom, die alle Einsätze zwischen Libyen und Italien koordiniert, fast 80 Mal getan. SOS MEDITERRANEE handelt demnach vollständig im Rahmen gesetzlicher Vorschriften.

Solange die Europäische Union der Verpflichtung zur Seenotrettung nicht in ausreichendem Maße nachkommt, werden SOS MEDITERRANEE und andere private Organisationen ihren Einsatz im Mittelmeer fortsetzen.

Rückfragen an: Jana Ciernioch | SOS MEDITERRANEE Deutschland e.V.|  j.ciernioch@sosmediterranee.org

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